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Die Idee

Wir haben uns der Aufgabe angenommen, dass klassische Schach zu reformieren. Es in seinen Grundideen zu erweitern und in seiner Würde zu bewahren.

Demzufolge sind die Erweiterungen, Namensgebung und neuen Zugmöglichkeiten sehr subtil gewählt. Das Satemschach, das von seiner Grundidee alle Regeln des alten Schachspiels beinhaltet, soll zu einer Renaissance der Schönheit, Faszination und Logik dieses großartigen Brettspiels führen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Variante, die man gewöhnlich als Märchenschach bezeichnet.

Wir haben eine neue Figur hinzugefügt: Der Kardinal, der lange und kurze Wege beschreitet, und einen Ausfallschritt macht. In geometrischer Beschreibung zieht der Kardinal in diagonaler Richtung beliebig weit, und beendet seinen Zug mit einem horizontalen oder vertikalen Schritt auf das unmittelbar angrenzende Feld. Über andere Figuren darf er nicht ziehen. Der Kardinal wechselt nach jedem Zug seine Feldfarbe.

Durch diese Erweiterung ergibt sich ein Spielfeld von 10x10 Feldern. Die strategische Spielführung wird durch die Ausdehnung optimiert. Die klassischen Schachregeln bleiben weitgehend erhalten.


Warum? Oder von Schachspielern an Schachspieler

Seit dem 15. Jahrhundert ist das Schachspiel mit den heutigen Regeln bekannt. Großartige Schachmeister haben in den Jahrhunderten das Spiel in seinen scheinbar unerschöpflichen Möglichkeiten analysiert und notiert. Eröffnungen, Verteidigungen und Angriffe haben ihren Namen bekommen (Marshall-Angriff, Grünfeld-Indisch usw.). Millionen von Partien sind bis ins Endspiel beschrieben.

In der heutigen Zeit haben Computer die Vormachtstellung im Schach längst erreicht. Der endgültige Sieg der Computerprogramme über jeden menschlichen Gegner ist traurige Tatsache geworden. Seit dem Siegeszug des Computers hat die Faszination Schach deutlich an Spielern und Publikum verloren. In vielen Städten, in denen noch vor 30 Jahren umkämpfte Stadtmeisterschaften ausgetragen wurden, gibt es heute nicht mal mehr einen Schachverein. Zwar bereichert und inspiriert die junge Generation moderner Schachspieler wie: Magnus Carlsen, Sergei Karjakin oder Wei Yi die weltweite Amateurszene des Schachsports.

Aber wie sieht die Zunkunft aus?

Möchten wir die ausgelatschten Wege einer Spanischen Partie mit Berliner Verteidigung wirklich weiter beschreiten? Oder geben wir dem Schachspiel eine neue Ausrichtung? Eine noch nie dagewesene Umgebung, in der eine Blüte neue Herausforderungen aufzeigt die unbekannte Möglichkeiten erschließt?

Kreativität, Phantasie und Intelligenz assoziieren wir mit dem Schach. Leider sieht die Realität anders aus? Langeweile, schablonenhaft, auswendig gelernte Spiele! Schon in den Zeiten von Capaplanca, Lasker und Aljechin wurde über die Problematik diskutiert, das Schachspiel mit neuen Ideen zu bereichern.

Schachspieler mit annähernd gleichem Spielniveau erleben in ihren Partien, dass die Anzahl der Spiele, die Remis enden, ständig wächst. Sportarten wie bspw. Tennis, Fußball, Leichtathletik u.v.a. unterliegen einem ständigen Anpassungsprozess. Es wäre wünschenswert, wenn sich auch die Schachverbände neuen Herausforderungen stellten. Dieses hier beschriebene Satemschach ist eine Herausforderung, vor allem für passionierte Schachspieler ohne Scheuklappen.


Worte der alten Weltmeister

Quelle:
Das Schachgenie Capablanca
Isaak Linder & Wladimir Linder
Sportverlag Berlin (1967)
ISBN: 3-328-00238-3

Obwohl Capablanca weiterhin durch sehr hohe Technik bei der Realisierung eines Übergewichts Siege erreicht, betrübten ihn die vielen Remisen in Turnieren. Bereits während des Moskauer Turniers sagte der Weltmeister nach dem Remis mit Rabinowitsch: „Im Schach wird man bald so leicht spielen, daß eine Reihe unbesiebarer Spieler geben wird.“ Über diese wachsende Gefahr einer „Remiskrankheit“ unter hochklassigen Meistern dachte Capablanca bereits im Jahre 1921 nach, als er das Match gegen Lasker spielte, das mit einer Serie von vier Remisen begann, und es ihm schien, daß es kein Ende geben werde...

Es ist erstaunlich, daß Lasker, der ebenso leidenschaftlich das Schach liebte wie Capablanca und ihm sein ganzes Leben widmete, nicht nur gleichzeitig mit ihm die Aufmerksamkeit auf die Fülle von Remisen wandte, sondern in seinem Buch „Mein Wettkampf mit Capablanca“ mit einer sensationellen Erklärung aufwartete:

„Dem alten Spiel naht eine Schicksalsstunde. Schach in seiner gegenwärtigen Gestalt wird bald den Tod des Remis erleiden. Der Sieg der Gewissheit und des Mechanismus, der unausbleiblich ist, wird das Schicksal des Spiels besiegeln. Dann muß man neue Regeln erfinden, möglicherweise die Anfangsstellung ändern und die Nuancen des Gewinners und Verlierers mannigfaltiger machen, um neue Schwierigkeiten und als neue Geheimnisse zu schaffen: denn man darf das alte Spiel nicht sterben lassen.“

Capablanca befürchtete auch, daß der Fortschritt in der Schachtheorie früher oder später dazu führen könnte, daß „ein guter Spieler jede Partie zum Remis gestalten kann.“ Deshalb schlug er vor, das Schachbrett auf hundert Felder zu erweitern, neben den König und die Dame neue Figuren zu stellen, die die Gangarten des Turmes und Läufers in sich vereinigen, und schließlich den Bauern zu erlauben, sich sofort drei Felder vorwärts zu bewegen. Mit diesem Problem befasste sich der bereits erwähnte Artikel Capablancas über die Ereignisse des Moskauer Turniers in „Binestre Cubana“ (1926), der außerhalb Cubas leider wenig bekannt wurde. In Verbindung mit dem Vorschlag Capablancas, der sehr orientierenden Charakter trug, erschienen in der Presse Artikel voller Klatsch und Vorwürfe gegen ihn, daß er das Schach abschaffen wolle, und so sah sich der Weltmeister verpflichtet, eine Erklärung abzugeben.

„In Wirklichkeit beweist das, was ich in diesem Zusammenhang gehört und gelesen habe,“ schrieb Capablanca, „daß ich nicht verstanden worden bin. Über das Schachspiel gibt es heute eine umfangreiche Literatur, Tausende von Bänden darüber, was Schach ist und wie man es heute spielt. Vieles gibt es zu bedenken, bevor zu entscheiden ist, um nicht alles zu zerstören. Außerdem ist im Schach bis heute noch nicht die Grenze erreicht. Keinem Spieler ist es bisher gelungen, unbesiegt zu bleiben. Acht Jahre lang blieb ich, und zwar in vier Turnieren und zwei Matchkämpfen, ohne Niederlage, aber Reti gewann schließlich im Jahre 1924 im New Yorker Turnier eine Partie gegen mich. Jetzt habe ich in Moskau gegen zwei weniger bekannte Spieler verloren. Die übrigen Schachspieler konnten es mir heute nicht gleichtun, so daß man sich damit abfinden muß, daß einstweilen beabsichtigte Remisen unmöglich sind.“...




Der Name Satemschach

Nachdem man Parallelen zwischen den europäischen und einigen asiatischen Sprachen erkannt hatte, vermutete man eine gemeinsame Sprachfamilie: das "Indogermanische" oder "Indoeuropäische". Als Unterscheidungsmerkmal zwischen verschiedenen Zweigen dieser Sprachfamilie verwendete man das Wort für Hundert, das im Lateinischen "Centum" und im Sanskrit "Satem" hieß. Das Satemschach versteht sich als ein Zweig der Schachfamilie und mit der Erweiterung von 64 auf 100 Felder war der Name Satemschach beinahe zwingend.